Senza tentazioni, senza onore – Wer nichts riskiert, kann auch nicht ruhmvoll siegen. Die Firmenphilosophie von FANTIC bringt es auf den Punkt: Mit hohen Investitionen, neu identifizierten Marktpotenzialen sowie radikalen, innovativen Ansätzen geht es bei dem italienischen Motorrad- und jetzt E-Mountainbike-Spezialisten steil nach oben. Was wir bei unserem Besuch als Erstes lernen: FANTIC entspricht keinesfalls dem verbreiteten Stereotyp von Italien.


Wenn ihr die E-Mountainbike-Entwicklung verfolgt habt, seid ihr sicherlich schon über den Namen FANTIC gestolpert. Die Marke ist die Dinge schon immer anders angegangen als andere Hersteller. Als einer der Ersten haben die Italiener ihre E-MTBs mit einem Brose-Motor und einem 625-Wh-Akku ausgestattet. Inspiriert vom Motocross haben sie außerdem das erste E-MTB mit einem Laufrad-Mix 29“ vorne und 27“ hinten auf den Markt gebracht. Mit dem neuen Urban Bike FANTIC Issimo haben die Italiener jüngst ein neues innovatives Konzept mit starkem Charakter geschaffen, das neue Märkte erschließen soll. Während unseres ersten Tests in Mailand ergriffen wir die Chance, das FANTIC Team und die neuen Produktionshallen in Treviso zu besuchen.

Schon die Anreise zum FANTIC-Hauptsitz in Treviso entpuppt sich zum Abenteuer: ein super früher Flug, ein nicht auffindbarer Leihwagen (Modell Fiat Panda) und ein zäher Kampf mit Ebbe und Flut des mailändischen Berufsverkehrs. Müde erreichen wir unser Ziel und hoffen auf die Erquickung durch ein vertrautes Ritual: das stille Gebet am Altar der Espressomaschine. Aber weit gefehlt! Mit einem hastig aus dem Automaten gezogenen Pappbecher-Kaffee in der Hand werden wir durch einen langen Flur geleitet, während uns Francesco, der Marketing Manager von FANTIC, voller Begeisterung die Werte und den Spirit der Marke erklärt. Wo sind wir denn hier gelandet? Eine italienische Firma, in der man für Kaffee keine Zeit hat? Bei FANTIC wird nicht getrödelt … .

1968 erblickte FANTIC das Licht der Welt. Zu dieser Zeit boomte die Motorrad-Industrie und die kleine, aber von großer Leidenschaft befeuerte Firma mischte schon bald bei allen Arten von motorisiertem Zweirad-Wettkämpfen mit. FANTIC eroberte sich einen Platz im Zentrum Motorradszene und ist heute vor allem für das einzigartige Caballero-Konzept bekannt. Während es in der jüngeren Geschichte auch einige ruhige Jahre gab, wächst Fantic jetzt rasant – dank großer Investitionen. Vor vier Jahren lag der Gesamtumsatz der Firma unter einer Million Euro, für das Ende dieses Jahres sind 45 Millionen Euro prognostiziert.

Wir wollen technologisch eine Führungsposition einnehmen, deshalb investieren wir hier sehr viel. Zwischen Bikes und Motorrädern gibt es jede Menge Synergieeffekte.


Nachdem FANTIC den E-Mountainbike-Markt eine Zeit lang beobachtet hatte, fiel vor fünf Jahren die Entscheidung, in die E-Bike-Branche einzusteigen. Für die Performance-orientierte Marke mit ihrer langjährigen Erfahrung in Sachen Motoren, Technologie und Design schien der quirlige neue E-Bike-Sektor wie gemacht. Zu dieser Zeit gab es noch nicht viele Wettbewerber, der Markt war weitgehend unerschlossen. FANTIC positionierte sich bewusst im Premiumsegment und ignorierte den Massenmarkt. Doch auch auf einem fast leeren Spielfeld war es nicht leicht, das damals eigenwillige XF1-Konzept mit seinem Laufradgrößen-Mix an den Start zu bringen: „Wir fanden niemanden, der uns zwei verschiedene Laufradgrößen liefern wollte. Wir mussten da wirklich Überzeugungsarbeit leisten, dass wir das Richtige machen würden und man uns folgen sollte“, erzählt E-Bike R&D-Manager Enrico Fidelfatti.


Der E-MTB-Bereich ist für die Firma eine ganz neue Marschrichtung, und die nimmt man hier sehr ernst. Zwanzig Autominuten vom Headquarter entfernt liegt die riesige E-Bike-Produktion. Als wir dort ankommen, blendet uns die Sonne, die von den makellosen Spiegelglasplatten der gigantischen Fabrik reflektiert wird. Direkt im Eingangsbereich erwartet uns ein FANTIC XF1 E-MTB neben der Ikone der Marke, dem Caballero-Motorrad. Seite an Seite verkörpern sie die Leidenschaft von FANTIC. Auf dem Oberrohr beider Bikes klebt ein eigens designter Jubiläumssticker, 50 Jahre FANTIC ‒ der Stolz der Marke auf ihr italienisches Erbe könnte nicht spürbarer sein.


Wenn wir uns mit den Big Playern und ihren großen Marketingabteilungen messen wollen, können wir das nur, indem wir ein gutes Produkt bieten. Ein Top-Produkt und ein Scheißprodukt kosten in der Herstellung etwa das gleiche.


Beim Betreten der Haupthalle staunen wir über die schiere Größe der Räumlichkeiten. Vor uns türmen sich Bike-Kartons auf Regalen bis unter die hohe Decke. Erst dann entdecken wir das Fließband, wo die XF1 E-Mountainbikes von einem ruhig und effizient arbeitenden Team zusammengebaut werden. Als wäre es eine Choreographie, vollziehen die Techniker ihre eingeübten Bewegungen, verbauen Motoren, verlegen Züge, montieren Teile. Jeder Schritt wird mit größter Sorgfalt und Präzision ausgeführt. Diese Effizienz ist nicht nur in der Produktion wichtig, sondern vor allem in der Entwicklung – denn hier tut sich gerade sehr viel: Mittlerweile kommen ständig neue Motoren, Akkus und Antriebe auf den Markt ‒ all das erhöht den Zeitdruck. Auf einem wachsenden Markt kann nur bestehen, wer proaktiv und schnell ist. „Man muss das richtige Produkt zur richtigen Zeit herausbringen. Ein Fehler oder eine Verzögerung und du bist aus dem Rennen. Aber man sollte es auch nicht zu eilig haben. Vor etwa fünf Jahren brachten wir ein E-Gravel-Bike raus. Es war ein tolles Bike, aber es verkaufte sich nicht gut, denn wir waren einfach zu früh dran“, erklärt Enrico.


Beim Gang durch die weitläufige Anlage und das hauseigene Testlabor beeindruckt uns, wie sauber und perfekt durchorganisiert die einzelnen Schritte ablaufen. Wirklich überraschend ist dies dann aber doch nicht, wenn man bedenkt, wie viel Erfahrung FANTIC mit dem Bau wesentlich komplizierteren Zweiräder hat. „Wir werden bald eine zweite Fertigungslinie eröffnen, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Wir machen gerade auch Versuche mit einem Roboter, den wir scherzhaft Emilio nennen, und der die Bikes von A nach B bringt. Er sollte hier in der Halle eigentlich gut navigieren können, aber anfangs mussten wir ihn ein paar Mal draußen auf dem Parkplatz einsammeln.“

Wir setzen auf Originalität. Langfristig zahlt es sich aus Technologien voranzutreiben, die einen Mehrwert bringen und eine Antwort auf ein reales Bedürfnis sind. Unsere Kunden verstehen das und honorieren, dass wir nicht den bequemen Weg gehen, nur um genau das zu machen, was Mainstream ist.

Neben der Leidenschaft, wie sie die Italiener ausleben, gibt es noch eine weitere Sache, die FANTIC von fast allen anderen Bike-Herstellern unterscheidet: die enorme Expertise im Bereich Motoren. FANTIC ist klar gewesen, dass beim XF1 E-MTB der Motor die entscheidende Komponente sein würde, und so haben sie voll auf den Brose-Motor gesetzt. „Heute wissen wir, dass er hervorragend ist, doch damals hatte man noch nicht viel davon gehört. Der Grund für diese Entscheidung war, dass wir uns abseits des Mainstreams positionieren wollten. Wenn man einen Bosch-Motor verwendet, hat man eben ein ‘Bosch-Bike’, kein FANTIC“, erklärt uns E-MTB Produktmanager Yann Guyader. Mit Brose zu arbeiten, gibt FANTIC mehr Flexibilität. „Zusammen mit ROTWILD waren wir die ersten E-Bike-Kunden von Brose, und wir entschieden Dinge wie Softwaremanagement, Mapping und Drehmomentverlauf gemeinsam, um das beste Fahrgefühl zu erreichen. Wir wollten keinen Motor, der einen spürbar ‘schiebt’, sondern etwas, das sich harmonisch und natürlich anfühlt. Anfangs war Brose den Änderungen gegenüber skeptisch, aber nachdem wir Tests durchgeführt und ihnen gezeigt hatten, was dadurch auf dem Bike möglich ist, konnten wir sie überzeugen. Durch die Kooperation mit Brose hatten wir auch die Freiheit, unsere eigenen Akkus zu entwickeln. So hatten wir zu dieser Zeit das einzige E-MTB mit einem 630-Wh-Akku auf dem Markt.“

Unser Gespräch nähert sich dem Ende, und eine Frage brennt uns noch unter den Nägeln: „Woher kommt der Name FANTIC?“ PR-Manager Mariano Roman grinst mich verlegen an und flüstert: „Ich habe den Gründer von FANTIC genau das gefragt, und weißt du, was er sagte? Er sagte: ‘Ich weiß es nicht’. Mariano lacht. „Fantastisch wäre zu übertrieben gewesen, aber Fantic klingt nach ‘fantastisch’ und auch nach ‘fanatisch’, ich denke, das macht es zu einem guten Namen.“

Wir glauben, dass Leute, die FANTIC-Bikes kaufen, etwas suchen, was auch mal mit Konventionen bricht. Wenn wir nichts Besonderes bauen würden, warum sollte man dann unsere Bikes kaufen?

Am Ende unseres Besuchs ist uns eindeutig klar, wohin die Reise für Fantic geht: nach oben! Zu verdanken haben sie das ihrer großen Leidenschaft für Innovation. Anders als viele Motorrad- und Autohersteller, die einfach ihr prestigeträchtiges Label auf quasi-fertige Bikes kleben, fließen in FANTIC-Bikes wirklich Ingenieurskunst und innovative Ansätze ein, die sich aus ihrer jahrelangen Erfahrung im Motorradsegment speisen. Anders könnte FANTIC mit einem so kleinen Team nicht diese Ergebnisse erzielen. Von der markanten Form des Oberrohrs beim XF1 und der innovativen Technik bis zur italienischen Designsprache merkt man FANTIC Bikes an, dass sie sich mit dem Besitzer identifizieren können. Das einzige, was man hier nicht erwarten sollte, ist eine entspannte italienische Kaffeepause. Dafür ist man bei FANTIC einfach zu dynamisch.

Mehr Informationen findet ihr unter fantic-bikes.com

Der Beitrag Fanatisch, Fantastisch, FANTIC – Ein Blick hinter die Spiegelglasfassaden der E-MTB-Fabrik erschien zuerst auf E-MOUNTAINBIKE Magazine.

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