Judith Lell-Wagener: Wenn du rückblickend ein Buch über deine Rennjahre schreiben würdest: Wie würde der Titel lauten? Und warum gerade so?

Antje Kramer: „Die Kramer – Downhill, ein großes Erlebnis“ … Der Name „die Kramer“ ist ein Begriff in der Bike Szene. Ein Buch zu schreiben, wäre tatsächlich nicht abwägig. ich erzähle immer so viele Geschichten über meine Erlebnisse. Puh, und ich kann immer schlecht aufhören zu erzählen … (lacht)

Judith Lell-Wagener: Wie kam es, dass dich – vergleichsweise spät, dafür aber umso heftiger – das Rennfieber so stark erwischt hat und du dein Leben danach mit einer erstaunlichen Konsequenz umgekrempelt hast?

Antje Kramer: Ich war ein Jahr erst hobbymäßig mit dem Fahrrad unterwegs. Mein damaliger Freund hat sich sehr für den Mountainbike Rennsport interessiert und mir vorgeschlagen, auch mal bei Rennen teilzunehmen. Dass dann der Erfolg gleich so schnell kam, hat mich neugierig gemacht auf mehr. Für den Sport musste man sehr vielseitig trainieren – es wurde nie langweilig. Rennrad, Touren, Street, Downhill, 4Cross, Fitnessstudio (Kraft) … ich hatte einen eigenen Trainingsplan. Ich lernte am Bike zu schrauben und Defekte selbst zu reparieren. Ich war fasziniert von der Vielseitigkeit. Am Anfang war die Lernkurve sehr steil, später macht man nur kleine Fortschritte, aber ich habe mich immer über jede Kleinigkeit gefreut, die meine Radbeherrschung sicherer gemacht hat, und das Lernen reißt einfach nicht ab.

Judith Lell-Wagener: Was war für dich das Schönste am Rennfahren?

Antje Kramer: Das Tolle am Rennsport ist natürlich immer die Herausforderung, der Kick beim Rennen, der Adrenalinschub. Nicht zuletzt war toll für mich, dass ich, obwohl ich erst so spät damit angefangen habe, recht schnell Erfolge auch bei den Wettkämpfen hatte.

Judith Lell-Wagener: Gibt es ein Rennen oder Event, das in deiner Erinnerung ganz besonders herausragt? Wa­rum gerade dieses?

Antje Kramer: Ja, als ich meinen ersten Deutschen Meisterschaftstitel errungen habe, mein erstes Rennen nach drei Jahren, bei dem ich verletzungsfrei angekommen bin. Die Menschen an der Strecke und im Ziel haben sich sooo für mich gefreut, mein Trainingspartner hatte bei der Siegerehrung Tränen in den Augen … das werde ich nie vergessen, das war ein unglaubliches Gefühl der Freude.

Judith Lell-Wagener: Gab es vor dem Bike Sport schon etwas, für das du ähnlich „gebrannt“ hast?

Antje Kramer: Ich war schon immer sehr sportlich und habe viele Dinge ausprobiert. Dazu gehören unter anderem das Kanufahren, das Surfen, Ski- und Snowboard Fahren. Aber gepackt hat es mich erst beim Mountainbike Fahren so richtig.

Judith Lell-Wagener: Im Rennen hast du deine harte Seite, vor allem dir selbst gegenüber, zumeist mehr als deutlich gezeigt, und Downhill ist – zumindest in der Außenwirkung – ja eher ein rauer, lauter Sport, während es bei deinem Beruf als Krankenschwester oft gerade um die leisen, zarten Töne geht. Wie schwer war es für dich, diese beiden Gegenpole und Welten zu vereinen?

Antje Kramer: Für mich war es ein guter Ausgleich zu meinem Beruf. Stressabbau auf der einen Seite und auf der anderen Seite ging es da nur um mich, darum, meine Fähigkeiten auszubauen, meine Leistung zu steigern, gesund zu bleiben und meinen Körper besser kennenzulernen. Durch meine ganzen Verletzungen stand ich auch oft auf der anderen Seite (und zwar als Patient); es hilft einem ungemein, bei diesem ganzen Stress empathisch zu bleiben und die Bedürfnisse der Patienten nicht aus den Augen zu verlieren.

Judith Lell-Wagener: Wie sehr und inwiefern hat sich die Gravity Welt im Verlauf deiner Karriere verändert?

Antje Kramer: Sie ist viel größer geworden und die Sparte Enduro ist dazugekommen. Es gibt so viele Rennserien, dass man jedes Wochenende irgendwo Rennen fahren könnte … und es gibt viel mehr Frauen, die sich für den Sport begeistern.

Judith Lell-Wagener: Wie sehr und in welcher Hinsicht hat die Gravity Welt dich verändert?

Antje Kramer: Mein Leben in der Gravity Welt hat mich schon sehr stark geprägt. Ich habe mich am Anfang mit Feuereifer diesem Sport gewidmet und andere Sachen in meinem Leben zurückgestellt. Für Freunde außerhalb des Sports und Familie habe ich wenig Zeit gehabt. Manchmal frage ich mich, wie ich einen Vollzeitjob und sechsmal die Woche Training unter einen Hut bringen konnte. Inzwischen ist es bei mir etwas ruhiger geworden, und ich kann neben meinen diversen Aktivitäten in der Mountainbike Szene auch wieder mehr Dinge unternehmen, die nicht mit dem Fahrrad zu tun haben.

Judith Lell-Wagener: Und was hast du vielleicht an und in der Gravity Welt selbst ein Stück weit verändert?

Antje Kramer: Durch meine konstanten Titelgewinne und die langjährige Zusammenarbeit mit Giant/Liv bin ich schon eine Kon­stante in der Mountainbike Welt. Daneben nehme ich seit Jahren an mehreren Women’s Bike Camps im Jahr teil und gebe meine Freude und Begeisterung an diesem Sport an gleichgesinnte Frauen weiter. Somit werden immer mehr Frauen von diesem Funken angesteckt.

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